Reflexionen zur medialen Berichterstattung

Die auf die Publikation des Buches „Aktion S.“ hin erfolgten Presseberichte re-installieren die Muster, welche das Buch dekonstruiert. Sie fungieren - sei es mit, sei es ohne Bewusstsein - in einem propagandistischen Sinne als Sprachrohr der Organe, welche den Process ausgelöst und zu verantworten haben. So wird der Fall mit der Sprache einer angeblich funktionierenden Rechtsstaatlichkeit zusammengefasst, und spätestens der von der Justiz angebotene Begriff der Kinderpornografie, ausgebaut und zusammenhangslos eingesetzt, garantiert, dass die rechtsstaatlichen Ungeheuerlichkeiten vergessen gehen. Die im Buch herausgestellten totalitären Muster in Politik und Gesellschaft werden nicht einmal als These erwähnt. Stattdessen - der Zeitgeist bzw. die landläufige Anschauung macht es möglich - erübrigen Ideologien und Jagdinstinkte den genauen Bezug zum Text und zementieren das Bild eines Schädlings. Effizienter kann sich eine Schutzgesellschaft gegen Kritik nicht immunisieren. Dabei sind (oder: wären) die totalitären Muster präzise an der Sprache dieser Medienberichte abzulesen – ein Folgebuch könnte sich dem annehmen.  Wir publizieren hier stellvertretend für viele, meist abgelehnte Leserbriefe ein paar Entgegnungen auf Medienberichte. Geschrieben von Leser/innen, die den Text wirklich gelesen haben. Entgegnungen, die die Ideologien in der medialen Berichterstattung bloßlegen. Und in einem gewissen Sinne auch das Märchen der Pressefreiheit. 

 

 

NZZ, 14. April 2014

Kundgebung gegen Medienberichterstattung: Protest wegen «Fall Saladin»

 

Sympathisanten des ehemaligen Deutschlehrers Daniel Saladin haben am Freitag in einer Medienmitteilung gegen das Verhalten von Justiz und Gesellschaft im Strafverfahren gegen Saladin protestiert. Zudem demonstrierte eine kleine Gruppe von ihnen vor dem «Ringier»-Gebäude in Zürich gegen die Berichterstattung des «Blicks» zum Fall.

 

Leserbrief von Christoph Dejung

 

Sehr geehrte Frau B.,

 

gestatten Sie mir, dass ich Ihnen in aller Höflichkeit eine Strafanzeige ankündige, die ich, hier in Australien lebend, nicht einzureichen befugt bin. Aber ich kenne eine mir nahestehende Mutter gut genug, um sie, wenn ich erst in die Schweiz reisen werde, dazu zu gewinnen, gegen sie das Recht geltend zu machen, von dem Frau Regierungsrätin Aeppli dem Herrn Saladin schrieb, es sei eben ein Recht, auf das wir Zürcher stolz sein könnten, jederzeit gegen irgend wen eine Anzeige zu erstatten. Insbesondere gegen Menschen, die Kinder verderben.

 

Sie sind nämlich für diese Frau, Mutter von drei Primarschulkinder, die Ursache großen Ungemachs.

 

Obwohl sie ihren Kindern die Lektüre der widerlichen Zeitung namens ‘Blick’ verboten hatte, haben sich diese Kinder, hélas!, darüber hinweggesetzt, und all die unbeschreiblichen Textstellen gelesen, die man ja niemals mit Gymnasiasten besprechen dürfte, die Sie aber im Blick allen des Lesens mächtigen Kinder serviert haben. Nun war diese Frau erst der Meinung, Sie hätten das nur getan, weil heuchlerische Empörung Ihr Geschäft sei, und Sie seien selbstverständlich eine große Freundin der Kinder und des Kinderschutzes, und sie kübelten Jauche über einen, wie Sie ihn nennen, ‘Grüsellehrer’ nur, weil Sie jetzt einmal den Beruf einer Grüseljournalistin ausüben müssten. Sie täten es mithin mit ganz schlechtem Gewissen.

 

Aber die Kinder dieser Freundin gebrauchen nicht nur die horriblen Zitate, um sie zu schockieren, und die sie nicht von ihren Schullehrern, sondern von Ihnen, werte Frau Journalistin, haben (was man ja noch entschuldigen könnte), sondern sie machten sich in ihren Kinderspielen sogar einen Spaß daraus, über das ‘Grüsellehrervertreiben’ zu phantasieren.

 

Ich konnte aber die Frau jetzt doch überzeugen, dass das alles, was Sie an Empörung heucheln, nur gespielt ist, und Sie in Wirklichkeit ganz vorsätzlich die Kinder, die den Blick lesen, so wie der Herr Saladin seine Schüler, mit Ungehörigem überschwemmen. Machen Sie sich also darauf gefasst: Man hat Sie enttarnt, und wird auch Ihnen das Schicksal des Herrn Saladin bereiten.

 

Mit freundlichen Grüßen, Christoph Dejung